Behandlungsplatz 50 und Gerätewagen BHP50

1Knapp 20 Monate nach Beginn der Planungsphase konnte das Pilotprojekt „Konzept Behandlungsplatz 50 und Gerätewagen BHP50“ nach Abschluss aller nötigen Beschaffungen im April 2008 volle Einsatzbereitschaft melden.

Erstmals komplett präsentiert wurde das Fahrzeug auf dem Bundeskongress Rettungsdienst im April 2008 in Kassel. Sowohl dort als auch auf späteren Präsentationen, u.a. auf der Berlin Air Show ILA 2008 (in Kooperation mit dem Deutschen Hubschrauberverband DHV und HELIALERT) im Mai, zeigte sich die äußerst positive Resonanz des Fachpublikums auf das Konzept.

Lobende Worte erhielt das MHW unter anderem von Seiten der Behörden (u.a. durch das Bundesministerium für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe BBK), der Hilfsorganisationen, verschiedener Berufsfeuerwehren und der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW).

Das am Standort Flintsbach a. Inn in Dienst gestellte Fahrzeug stellt einen ersten Prototyp dar. Obwohl fast alle Reaktionen auf das Konzept bei Vorstellungen, Übungen, Messen und Kongressen bisher positiv waren, werden sich früher oder später Kritikpunkte und verbesserungswürdige Aspekte herausstellen. Diese werden selbstverständlich fortlaufend dokumentiert. Wir freuen uns hier auf einen regen Gedankenaustausch. Auch ist das Konzept leicht auf die eigenen Bedürfnisse adaptierbar. So gibt es innerhalb des MHW mittlerweile Planungen für weitere Fahrzeuge, teilweise mit Allrad-Fahrgestellen und Kofferaufbau.

Das Konzept soll die Bereitschaft und Leistungsfähigkeit des MHW zur aktiven Mithilfe im nationalen Katastrophenschutz unterstreichen. Es erhielt keinerlei öffentliche Fördermittel und ist alleine durch Sponsoren aus der Wirtschaft und die ausführenden MHW-Mitglieder (MKT München und Ambulanz Rosenheim) finanziert. Hierfür möchten wir vor allem den Sponsoren des Projektes herzlich für ihre Bereitschaft danken, neue Wege und Projekte im Bevölkerungsschutz zu fördern, um ältere Konzepte zu ergänzen und mit der Bereitstellung von Mangelressourcen hier zu versuchen, effektiv Lücken zu schließen.

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Konzeptbeschreibung

Der BHP50 des MHW ist angelehnt an den gemäß DIN13050 definierten, klassischen „Behandlungsplatz" bzw. „Verbandsplatz".

Er ist auf die Behandlung von 50 verletzten oder erkrankten Personen pro Stunde ausgerichtet. Diese werden im Triagebereich vom sichtenden Personal (Sichtungsarzt und -helfer) je nach Verletzungsmuster und Schwere der Verletzungen in die unterschiedlichen Behandlungskategorien eingeteilt und anschließend in das entsprechende Behandlungszelt verbracht.

Diese unterteilen sich in vier Kategorien von T1 (akute Behandlungspriorität mit schwerer, lebensbedrohlicher Verletzung bzw. Erkrankung) bis T3 (niedrige Priorität mit leichter oder keiner Verletzung oder Erkrankung) sowie der Kategorie T4 mit abwartender Behandlung und ohne Überlebenschance.

Ziel und Philosophie des MHW bei der Konzeption waren hier, eine möglichst hochwertige, aktuelle und dem Einsatzziel entsprechende medizinische Ausstattung, sinnvoll gepackt und mit gängigen Industrieprodukten zu einem vernünftigen Preis - Leistungsverhältnis zu realisieren.

Es wurde also kein bestehendes Konzept adaptiert, sondern versucht, den Behandlungsplatz samt Fahrzeug unter diesen Gesichtspunkten von Grund auf neu zu gestalten.

Hierfür wurden Experten aus verschiedensten Bereichen der Privatwirtschaft (Logistik, Fahrzeug- und Maschinenbau) sowie der öffentlichen Hand (v.a. Bundeswehr Sanitätsdienst) außerhalb des klassischen Katastrophenschutzes konsultiert und versucht, deren Erfahrungen und Ratschläge mit einfließen zu lassen. Für deren Mitwirken möchten wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken.

3Übergabe des Gerätewagens durch Mercedes Benz München am 30.07.2007

Resultat war ein Konzept, dass bewusst zu Gunsten der medizinischen Ausstattung und eines optimierten Handlings auf aufwändige und kostenintensive Fahrzeuge analog eines klassischen Feuerwehr-Rüstwagens oder Abrollcontainers verzichtet. Durch das auf Rollwagen verlastete Material in einem klassischen Kofferaufbau mit Ladebordwand wendet sich der MHW-BHP50 gänzlich von der Schnellangriffstaktik solcher Konzepte ab.

Hierbei sind einige Besonderheiten des MHW Konzeptes hervorzuheben:

  • Es werden für alle vier Kategorien und für die Mannschaft als Verpflegungs- und Aufenthaltsort insgesamt 5 baugleiche pneumatische Rettungszelte vom Typ INHAG PRZ30 mitgeführt
  • Die Zelte der Kategorie T1 und T2 sind im Unterschied zu den meisten bisherigen BHP-Konzepten komplett gleich ausgestattet. Auch im Zelt T2 können somit bei Bedarf Patienten intubiert und kontrolliert beatmet werden. Dies soll bei einer Verschlechterung des Allgemeinzustandes und der dadurch erforderlichen Umtriagierung ein umständliches Umlagern in ein anderes Zelt ersparen.
  • Zur besseren Diagnose und Überwachung der schwer verletzten Patienten werden sowohl sog. AED Geräte (Automatische Externe Defibrillatoren) als auch Pulsoxymeter und ein Notfall-Sonografiegerät für den Triagebereich mitgeführt.
  • Die modulare Verlastung des gesamten Materials auf Rollwagen ermöglicht sowohl eine rasche Anpassung der Beladung (z.B. mit einem bei Bedarf mitgeführten Rollwagen für Pandemie- oder CBRNE Vorfälle) als auch ein einfaches Handling in schwierigem Gelände mittels Frontlader.
  • Das Umladen einzelner Module in andere Transportmittel (z.B. Helikopter, Aircargo-Container oder Spezialfahrzeuge für schweres Gelände) wird durch das Rollwagen-System erheblich erleichtert.
  • Es besteht durch die Verwendung von Aluminiumprofilen aus dem Maschinenbau die Möglichkeit, das Regalsystem des Fahrzeuges mit geringem Aufwand auf neue Beladungen anzupassen und damit im Gegensatz zu festen Regalsystemen oder Rüstwagen-Konzepten für die Zukunft flexibel regieren zu können.
  • Die komplette Dokumentation und Kennzeichnung des Materials ist darauf ausgerichtet, im Einsatzfall auch organisationsfremden Helfern ein einfaches Arbeiten zu ermöglichen. Jedes Teil ist eindeutig nummeriert, auf übersichtlichen Skizzen einer fixen Position in den Zelten oder im Fahrzeug zugeordnet und mit Inhaltslisten versehen.

4Einblick in den Gerätewagen5Schematischer Zeltaufbau (links) und Auszug aus Inhaltsliste (rechts) 

Gewonnene Erfahrungen teilen

Wir möchten dieses Konzept als Diskussions- und Entwicklungsgrundlage allen interessierten Vertretern von Hilfsorganisationen, Feuerwehren und anderen Institutionen des Bevölkerungsschutzes gerne frei zur Verfügung stellen, in der Hoffnung auf eine stetige Weiterentwicklung und auch um den vorwiegend ehrenamtlich tätigen Helfern einen Teil der langwierigen Entwicklungsarbeit (für dieses Projekt 20 Monate) ersparen zu können.

Die komplette, knapp 150-seitige Dokumentation und Kostenkalkulation wird auf Nachfrage von den Projektverantwortlichen ( Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) oder über die Bundesgeschäftsstelle ( Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) allen interessierten Personen gerne zur Verfügung gestellt.

Ein herzlicher Dank gebührt nochmals den Sponsoren des Projektes:

  • Mercedes Benz München
  • KRONES AG

Ohne Ihre Unterstützung hätte dieses aufwändige und ehrgeizige Projekt nicht umgesetzt werden können.

Bei Fragen zum Projekt Behandlungsplatz und Gerätewagen stehen Ihnen unsere Ansprechpartner und die Bundesgeschäftsstelle gerne zur Verfügung.

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Kontinuierliche Verbesserung des Konzeptes

Seit der Vorstellung des Konzeptes im Jahr 2008 sind einige Jahre vergangen. Es wurde auf verschiedensten Messen, Ausstellungen und Kongressen (Bundeskongress Rettungsdienst 2008, RisiKa, ILA2008, INTERSCHUTZ 2010) sowie anlässlich einiger großer Übungen und Großveranstaltungen (u.a. Berliner Firmenlauf) zur Diskussion gestellt und beübt.

Das Konzept wurde durchweg positiv aufgenommen und erwies sich als tauglich. Besonders fiel auf, dass auch MHW-„fremde" Einsatzkräfte sich schnell in den Behandlungsplatz einfinden können.

Bezüglich der Kosten wurde von einigen Gesprächpartnern angemerkt, dass keinerlei Kosten für den eigentlichen Ausbau des Gerätewagens aufgeführt sind, sondern lediglich Materialkosten. Dies ist prinzipiell korrekt da der Ausbau in Eigenregie und vielen Arbeitsstunden Eigenleistung durchgeführt wurde. Da es sich jedoch um einen Prototypen handelt bei dem sich viele Aspekte erst im Verlauf des Projektes ergaben, war dies aus unserer Sicht nicht anders abzuwickeln.

Jedoch wurde durch die Verwendung handelsüblicher Maschinenbauprofile samt Verbindungstechnik (Hersteller ITEM) und allen Herstellern von Sonderfahrzeugen geläufigen sonstiger Innenausbaumaterialien sichergestellt, dass ein solcher Gerätewagen - wenn gewünscht - auch durch einen Sonderfahrzeughersteller gefertigt werden kann. Auch dann sollte das Konzept bei ehrlichem Vergleich der Leistungsfähigkeit und Flexibilität noch einen deutlichen Kostenvorteil gegenüber der meisten aktuell existierenden Konzepten und Fahrzeugen bringen.

Die Beladung wurde dahingehend geändert, um im äußersten Notfall die Zelte T1, T2 und T4 medizinisch gleichwertig ausstatten zu können.

Das gesamte Projekt unterliegt einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess. Durch regelmäßiges kritisches Hinterfragen aller Aspekte (Ausstattung, Einsatzkonzept usw.) und den bewussten Dialog mit allen Beteiligten im Katastrophenschutz ist es dem MHW hier einmal mehr möglich, eine sinvolle Ergänzug bestehender Ressourcen abseits der klassischen Denkweisen und Strukturen anzubieten.

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